Titelverteidigung in der Hitze von Leipzig – Jena gewinnt den Professorenpokal zum dritten Mal in Folge

Bei hochsommerlichen Temperaturen fand am 18. Juni 2026 auf der Sportanlage am Luppedeich in Leipzig das Turnier um den Professorenpokal des Uni-Bundes Halle-Jena-Leipzig statt.

Professorenpokal 2026

Foto: Uni Leipzig
Professorenpokal 2026

Titelverteidigung in der Hitze von Leipzig – Jena gewinnt den Professorenpokal zum dritten Mal in Folge

Bei hochsommerlichen Temperaturen fand am 18. Juni 2026 auf der Sportanlage am Luppedeich in Leipzig das Turnier um den Professorenpokal des Uni-Bundes Halle-Jena-Leipzig statt. Zur Freude der Mitwirkenden zog gelegentlich eine Wolke am Himmel vorbei. Gespielt wurde mit 7 Feldspielern plus Torwart.

Kleiner Kader, geänderter Modus

Das Wetter und die Tatsache, dass die Jenaer Mannschaftsstärke in der Woche vor dem Turnier von 13 auf 8 sank, sorgten bereits vor dem Anpfiff für einige Sorgenfalten. Daher schlug Jena eine Änderung des Spielmodus vor: Statt wie gewohnt 2x20 Minuten jeder gegen jeden sollten die Spiele nur 20 Minuten dauern, dafür hieß es jedoch zweimal jeder gegen jeden. So wäre die Gefahr gebannt, dass Jena zwei Spiele in Folge insgesamt 80 Minuten auf dem Platz stehen müsste. Halle und Leipzig waren einverstanden. Nicht vorab geklärt wurde, ob bei Punktgleichheit der direkte Vergleich oder zunächst die Tordifferenz herangezogen werden sollte. Diese Regellücke bescherte dem traditionsreichen Turnier das erste Neunmeterschießen seiner Geschichte. 

Die Spiele

Das erste Spiel bestritten Halle und Leipzig. Leipzig konnte sich Chancen erspielen – und Halle konnte das auch. Der wesentliche Unterschied war, dass Halle auch eine nutzte und so mit 1:0 als Sieger vom Platz ging.

Die Ansetzung des zweiten Spiels lautete Jena gegen Halle. In Anbetracht der Hitze und des kleinen Kaders war es wichtig, ökonomisch zu spielen. Da hilft es natürlich, wenn im Team fünf Ökonomen spielen (Auer, Fedtke, Lukas, Schulze, Schwerdfeger). Mit Auer im Tor, Senft, Schulze und Lukas in der Abwehr sowie Fedtke und Matveev im Mittelfeld ging es ins Spiel. Die beiden Spitzen im Angriffsspiel waren Steyer und Schwerdfeger. Aus einer sicheren Verteidigung heraus gelangen einige vielversprechende Aktionen nach vorn, aber Zählbares kam dabei zunächst nicht heraus. Etwa in der Mitte des Spiels sollte sich das ändern. Das Führungstor, das zum goldenen Tor des Spiels wurde, gelang nach einem Eckball und einem Kopfball aus dem Lehrbuch. Ecke von rechts durch Schwerdfeger, Fedtke springt zentral ca. 7 Meter vor dem Tor hoch und köpft wuchtig rechts oben in den Winkel. Hier hätte auch ein nicht so reaktionsschneller Fotograf seine Chance auf ein tolles Foto gehabt, denn Fedtke stand wahrlich lange in der Luft.

Das dritte Spiel des Tages bestritten Leipzig und Jena. Bei Hitze und strahlendem Sonnenschein wirkte die Trikotwahl der Leipziger etwas unglücklich – sie liefen in schwarzen Trikots und Hosen auf. Ingo Anderbrügge: "Das ist ja schlimm, man denkt, da laufen lauter Schiedsrichter herum". Jena ging mit der erfolgreichen Taktik aus dem ersten Spiel in die Partie. Steyer, von Hause aus Psychologe, nutzte seine Expertise und traf zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt, nämlich relativ früh. Das Tor und seine Entstehung finden sich vermutlich auch in einem Lehrbuch über attraktiven Fußball: Nachdem Auer einen Ball pariert hatte, lief der Ball rechts über Senft zu Schwerdfeger. Diese führte den Ball ein paar Meter und schlug einen langen Diagonalflugball in den Strafraum der Leipziger. Steyer hielt – am linken Eck des Fünfmeterraums – den rechten Fuß an den Ball und netzte ein. Fußball kann so einfach sein. In der Folge konzentrierte sich Jena auf sicheres Abwehrverhalten und nahm mit einzelnen Entlastungsangriffen weitere Zeit von der Uhr. "Aber erst wenn der Schiedsrichter abpfeift, ist das Spiel zu Ende oder gewonnen", so Uwe Seeler. Das tat er dann – und zur Halbzeit des Turniers standen für Jena die Zeichen auf Titelverteidigung.

Im vierten Spiel traten – dem neuen Modus sei Dank – erneut Halle und Leipzig an. Es war vom Ergebnis her eine Kopie des ersten Spiels: Halle gewann erneut mit 1:0. Allerdings gab es auf beiden Seiten einige gute Torchancen und das Chancenplus war ausgeglichen (Lothar Matthäus).

Für das fünfte Spiel lautete die Ansetzung Jena gegen Halle. Die Hitze und der kleine Kader fingen an, ihren Tribut zu fordern. Sicher in der Abwehr zu stehen blieb oberstes Ziel. Das gelang weitestgehend gut, weil einer für den anderen da war. Mediziner Senft verteidigte zwar etatmäßig auf der rechten Seite, leistete aber auch unverzüglich erste Hilfe, wenn an anderer Stelle im Strafraum Gefahr drohte. Was dann noch aufs Tor kam, parierte der aufmerksame Auer. Ohne Torchance war Jena nicht, aber Zählbares kam nicht zustande – außer dass mit dem Schlusspfiff der direkte Vergleich gegen Halle mit einem Sieg und einem Unentschieden gewonnen war. Bei Punktgleichheit mit Halle vor dem letzten Spiel war der Turniersieg damit eigentlich schon errungen. Allerdings wurden auch Stimmen laut, die meinten, ein Leipziger Sieg mit zwei Toren Unterschied würde Halle dank des besseren Torverhältnisses gegenüber Jena zum Turniersieger machen.

Das sechste und letzte Spiel gegen Leipzig gab Jena die Chance, mit einem Punktgewinn oder einer Niederlage mit nur einem Tor Unterschied den Turniersieg definitiv einzutüten. Es kam, wie es nicht kommen sollte. Ein kleiner Fehler in der Zuordnung brachte den Leipziger Kapitän an der linken Strafraumgrenze in gute Schussposition, die er mit einem Schlenzer an den rechten Innenpfosten eiskalt zum 1:0 nutzte. Mit ziemlich leeren Akkus konnte das zu Turnierbeginn noch flüssige Kombinationsspiel nicht aufgezogen werden: "Wir sind an ein Limit gekommen, wo es im Moment nicht drübergeht", erklärt Andreas Möller. Ein Ballverlust im Spielaufbau führte wenig später zum 2:0 für Leipzig. Eine Großchance über rechts mit einem tollen Querpass von Schwerdfeger auf Matveev blieb ungenutzt – Matveev verfehlte das Tor knapp. Das 2:0 für Leipzig war der Endstand.

Das erste Neunmeterschießen der Turniergeschichte

Um Diskussionen über die Wertung bei Punktgleichheit zu vermeiden, setzte der Schiedsrichter ein Neunmeterschießen zwischen Jena und Halle an. Nach jeweils fünf Schützen stand es 4:4. Für Jena hatten Fedtke, Senft, Schulze und Schwerdfeger getroffen; Lukas' Schuss als dritter Schütze hatte der sehr gute Hallenser Torwart pariert. Der vierte Hallenser Schütze traf nur den Pfosten.

Es brauchte zumindest einen sechsten Schützen pro Team. Matveev schnappte sich den Ball für Jena. Mit dem Mathematiker als Schützen hatte Halles Torhüter offenbar nicht gerechnet – er wirkte unentschlossen, wohin er sich bewegen sollte, als Matveev anlief. Und dann zappelte der Ball schon links unten im Netz. Sollte dies der Schuss zur Titelverteidigung gewesen sein? JA! Denn Auer im Jenaer Tor parierte reaktionsschnell gegen den sechsten Hallenser Schützen und wertete so Matveevs Treffer zum turnierentscheidenden Treffer auf. Voller Anerkennung: Chapeau – oder Shampoo, wie Marko Arnautovic einem Mitspieler einmal zurief.

Nach der Entscheidung waren alle Spieler erleichtert, dass das Laufen in der Sonne ein Ende hatte. Die dritte Halbzeit folgte mit kühlen Getränken, Obst, Bratwurst und Nudelsalat. Ein großes Dankeschön an die Leipziger Gastgeber!

Der Sieg für Jena war der insgesamt 12. Sieg und der dritte in Folge. Es könnte bald so weit sein, dass man das Jenaer Team den FC Bayern des Professorenfußballs nennt.

Abschlusstabelle

Platz Team Punkte Tore
1* Jena 7 2:2
2 Halle 7 3:2
3 Leipzig 3 2:3

Entscheidung nach Neunmeterschießen Jena – Halle: 5:4

Die siegreiche Jenaer Mannschaft:
Hintere Reihe v.l.: Fedtke, Senft, Schulze, Auer, Lukas; Vordere Reihe v.l.: Schwerdfeger, Matveev, Steyer
(Bildrechte: Uni Leipzig)