Sexualisierte Gewalt

Sexualisierte Gewalt im Sport

Wir möchten Teilnehmende und Übungsleitende im Hochschulsport für die Thematik “Sexualisierte Gewalt” sensibilisieren, Handlungsempfehlungen bieten und Informationen zu verschiedenen Beratungsmöglichkeiten geben.
Sexualisierte Gewalt
Foto: Adobe Stock

AG "Sexualisierte Gewalt im Sport"

Der Hochschulsport Jena bekennt sich in seinem Leitbild  "zur Einhaltung der demokratischen Grundordnung, Mitbestimmung und Beteiligung, zu ethischen Grundsätze und zur Ablehnung von Gewalt, Extremismus, Doping und Manipulation im Sport.” Dementsprechend sind wir bestrebt, unser Sportangebot als einen möglichst freien von sexualisierte​n Belästigungen Raum zu gestalten.

Im Rahmen eines Projektes zur "Prävention sexualisierter Gewalt im Hochschulsport" haben wir gemeinsam eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Zielsetzung alle Teilnehmenden und Übungsleitenden im Hochschulsport auf das Thema aufmerksam zu machen, Informationen über ein richtiges Verhalten zur Verfügung zu stellen, Maßnahmen zur Prävention auszuarbeiten und die Unterstützung für Betroffene zu erleichtern.

Sexualisierte Gewalt 

  • Was ist sexualisierte Belästigung?

    Sexualisierte Belästigungen sind alle sexuell konnotierten Verhaltensweisen, die unerwünscht sind und als respektlos, entwürdigend oder verletzend empfunden werden. Sexualisierte Belästigung kann alle Geschlechter (d/w/m) treffen und von Personen aller Geschlechter ausgeübt werden. Sexualisierte Belästigungen werden in verschiedenen Formen ausgeübt: verbal, nonverbal und physisch. Beispiele für sexualisierte Belästigungen sind:

    • Benachteiligung aufgrund des Geschlechts
    • Aufdringliche Blicke/Anstarren
    • Sexistische/sexualisierte Witze
    • Sexuelle Anspielungen
    • Abfällige oder sexistische Bemerkungen über Aussehen, Verhalten und Privatleben
    • Catcalling (hinterherpfeifen/-rufen, „Komplimente“, etc.)
    • Zeigen pornografischer Darstellungen
    • Ungefragte Nacktbilder
    • Sexualisierte Zeichen und Gesten
    • Unerwünschte Berührungen 
    • Bedrängendes Verhalten
    • Entblößen
    • Strafrechtliche Tatbestände: Stalking, sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung
  • Was ist sexualisierte Belästigung im Sport?

    Im Hinblick auf sexualisierte Gewalt ist der organisierte Sport als Gelegenheit für potenzielle Täter und Täterinnen zu sehen.Denn Täter/innen suchen gezielt Situationen, in denen sie auf leichte und unkomplizierte Weise (körperliche) Kontakte eingehen und aufbauen können. Folgende Faktoren begünstigen verschiedene Erscheinungsformen von sexualisierter Gewalt:

    • Körperzentriertheit der sportlichen Aktivitäten
    • Notwendigkeit von Körperkontakt
    • Spezifischen Sportkleidung
    • „Umziehsituationen“
    • Rahmenbedingungen wie Fahrten zu Wettkämpfen mit Übernachtungen etc.
    • Rituale wie Umarmungen z.B. bei Siegerehrungen

    Die Erscheinungsformen von sexualisierter Gewalt im Sport sind vielseitig:

    • Verbale/gestische Übergriffe und sexistische Sprüche
    • Grenzverletzung bei Kontrolle der Sportkleidung
    • Fotografieren von Sportler/innen zur eigenen Befriedigung sexueller Bedürfnisse
    • Übergriffe bei der Hilfestellung 
    • Verletzungen der Intimsphäre durch Eindringen in Umkleiden und Duschen
    • sexueller Missbrauch
  • Was sollte ich tun, wenn ich selbst von sexualisierter Belästigung betroffen bin?

    Erstens sollte man sich nicht schuldig fühlen oder das Gefühl haben, die Handlung der Täterin oder des Täters missinterpretiert zu haben. Folgende Maßnahmen sind zu empfehlen:

    • Im akuten Notfall: Polizei rufen (110)
    • Beratungsangebote wahrnehmen: Die folgenden Ansprechpersonen stehen dir zur Verfügung in Fällen sexualisierter Gewalt:
    • Good Governance BeauftragteExterner Link von Unisport
    • Gleichstellungsbüro der Uni Jena
    • Die eigene Wahrnehmung ernst nehmen: Betroffene tendieren dazu, ihre Gefühle zu verleugnen, aus Angst vor Ablehnung oder weil ihnen das Vorgefallene unangenehm oder peinlich ist. Ein erster wichtiger Schritt ist deshalb, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen und sich klarzumachen, dass eine Grenzüberschreitung vorliegt.
    • Grenzen aufzeigen: Das Vorgefallene nicht ignorieren, sondern (wenn möglich) in klaren Worten die eigenen Grenzen definieren.
    • Verschweige nichts: Bespreche mit Personen deines Vertrauens das Vorgefallene und wende dich an die Beratungs- und Hilfestellen innerhalb und außerhalb der Universität.
    • Dokumentation: Dokumentiere Übergriffe schriftlich mit Angabe des Geschehens, Datum und Uhrzeit und bewahre relevante E-Mails oder Screenshots auf. Sie können für das weitere Vorgehen wichtig sein.
  • Was sollte ich tun, wenn ich sexualisierte Belästigung beobachte?
    • Nicht wegschauen: Die Wahrnehmung der betroffenen Person ernst nehmen. Unternehme nichts ohne das Einverständnis der betroffenen Person.

    Akutfall:

    • Spreche sexualisierte Belästigung an.
    • Toleriere solches Verhalten nicht.
    • Nehme die betroffenen Personen ernst und verweise sie auf Hilfsangebote und an geeignete Vertrauenspersonen (Verlinkung).
    • Biete der Person Hilfe oder ein vertrauliches Gespräch an.
    • Dokumentiere den Fall und handle in enger Abstimmung mit der betroffenen Person.
    • Lasse dich von unseren Good Governance Beauftragten beraten.

    Präventiv:

    • Fördere den respektvollen und offenen Umgang untereinander.
    • Informiere dich über die möglichen spezialisierten Ansprechpersonen.
    • Lehnen die Relativierung von sexualisierter Gewalt und Belästigung ab.
    • Mache auf die Thematik in deinen Sportkursen aufmerksam und verdeutliche, dass sexualisierte Gewalt oder Belästigung nicht toleriert wird.
  • Wo liegen meine Verantwortung und Grenzen als Übungsleiter/in ?

    In der Funktion als Übungsleiter/in trägst du eine besondere Verantwortung für deine Teilnehmenden. Aus diesem Grund ist ein angemessenes Verhalten mit klar definierten Grenzen wichtig für deine Tätigkeit im Hochschulsport:

    • Achte darauf, dass in deinen Sportkursen keine Form von Gewalt ( physisch, psychische oder sexuell)  stattfindet und positioniere dich aktiv dagegen. 
    • Sollte es bei deiner Sportart zu verschiedenen Formen von Körperkontakt (z.B. bei Hilfestellungen) kommen, dann setze sportartspezifische Regeln des Fair Play durch und achte auf einen respektvollen Umgang miteinander.
    • Sei dir bewusst, dass jede/r Nähe und Distanz unterschiedlich empfindet. Passe dein Verhalten entsprechend an und respektiere die persönlichen Grenzen aller Teilnehmenden. 
    • Sei dir deiner Rolle als Vorbildfunktion bewusst und sensibilisiere die Teilnehmenden für das Thema “sexualisierter Gewalt”, indem du selbst wertschätzend und offen damit umgehst. 

Unsere "Consent Cards"

Manuelle Hilfestellungen im Sportunterricht können deine Leistung verbessern. Doch nicht jede/r möchte im Unterricht berührt werden. Unser Consent Cards helfen den Übungsleitenden und den Teilnehmenden, individuell zu reagieren.

Leider kommt es immer mal vor, dass Übungsleitende – bewusst oder unbewusst – Grenzen überschreiten und unerwünschte Adjustments geben. Unsere Cards ermöglichen auch denjenigen von euch, die sich nicht trauen laut und deutlich “Nein” zu sagen. Insbesondere dann nicht, wenn die Anderen im Raum mit den Hilfestellungen einverstanden sind. Hilfestellungen sind sinnvoll und nützlich, um bestimmte Übungen und Bewegungensabläufe richtig und besser auszuführen. Viele Teilnehmende fragen sogar danach. Doch wie kann man als Übungsleitende sicher sein, dass meine Berührung in diesem Moment auch in Ordnung ist? Woher weiß ich, dass eine Person, die in der letzten Stunde kein Problem mit Berührung hatte, die Hilfestellung an einem anderen Tag oder in einer anderen Position als störend empfindet? Eine simple Lösung: Consent Cards. Die eine Seite zeigt: Ja, ich möchte Hands-on bekommen. Liegt die andere Seite oben, heißt es: Heute bitte keine Hands-onKlingt simpel oder?